Als du 6 Wochen jung warst durfte ich dich kennen lernen. Ich & Kandro bekamen die einmalige Gelegenheit zwei Wochen bei dir, deinen neun Geschwistern, Mamma Gaya und dem Rest vom Rudel zu verbringen. Kandro fand dich immer ganz ‘gruselig’, er konnte mit dir überhaupt nichts anfangen. Zwei drei Schritte auf den grossen Bären zu und er floh in alle Himmelsrichtungen. Wenn das nur mal gut kommt.

 

Jedes Mal wenn Kandro die Augen schloss und wieder öffnete, hoffte er, dass du für immer weg bist. Mit Entsetzen musste er feststellen, das nervige Ding ist immer noch da. Endlich nach vier Tagen brach das Eis zwischen euch. Ihr wart nie ein Herz und Seele aber ihr wart immer nett zu einander. Ich habe nur einmal erlebt, dass Kandro dir eine deftige Ansage machte. Was dich überhaupt nicht beeindruckte. Unser grosser Bär hat es definitiv versäumt dich zu erziehen. Draussen auf der grossen Wiese, da kamst du schon ab und zu unter die Räder, du warst aber auch ziemlich frech zu Kandro. Deine Devise war - Augen zu - Ansage über dich ergehen lassen - aufstehen und den Stinkefinger zeigen. Für Aussenstehende sahen und hörten sich die Rangeleien furchtbar an, doch nie im Leben hättet ihr euch gegenseitig verletzt. 

Schon als du noch ganz klein warst habe ich mit dir Geruchsdifferenzierung gearbeitet. Alle paar Tage bin ich mit euch raus auf die Wiese und habe was versteckt. Im Frühjahr 2016 im Vinschgau durftest du mit mir den ersten Trail laufen. Es war so toll zu sehen, mit was für einer Ruhe und Sicherheit du das gemacht hast. Du hast den Geruch genommen und bist einfach losmarschiert, mit links hast du die Versteckperson gefunden. Es war hammer so eine tolle Trailpartnerin zu haben. Ob durch den Weihnachtsmarkt oder über Stock und Stein, du hast mich immer selbstsicher zur Versteckperson geführt. Natürlich brauchten auch wir ab und zu Hilfe vom Trainer.

Nach nicht mal einem ganzen Jahr regelmässigem Training hast du zusammen mit Kandro die Prüfung zum Bettwanzenspürhund geschafft. Ab sofort durften wir Einsätze laufen. Dein erster Einsatz werde ich nie mehr vergessen. Eine Nachkontrolle in der Stadt in einem Altbau. Über eine knarrende Holztreppe ging’s hoch in den dritten Stock. Eine Junge etwas besetztere Frau erwartete uns schon. Die Zweizimmerwohnung war wahnsinnig klein und eng. Im Schlafzimmer zwischen Bett und Schrank versuchtest du durchzukommen. Am Kleiderschrank an den Griffen hingen viele BH’s und du hast dich komplett in diesen Dinger verfangen. Hilfesuchend schautest du mich an, denn alleine kamst du nicht mehr aus dem Gewirr. Ich sehe heute noch das Bild vor mir. 

Sommer 2019 zog Nala bei uns ein, nun hattest du einen Welpen. Du bist mit ihr so behutsam umgegangen, warst aber auch ziemlich streng. Von uns bekamst du den Spitznamen ‘Fräulein Rottenmeier’.  Eine Ansage von dir reichte und die Kleine wusste wo der Bartli den Most holt. Kandro konnte hundert Mal knurren, das nahm sie nicht ernst, aber ein leises Knurren von dir oder ein strenger Blick reichte. Ganz verrückt warst du nach Ronya unsere Enkelin, wenn sie in der Nähe war, gab es für dich kein halten mehr. Du warst immer so lieb und zärtlich zu ihr. Ja, du warst wirklich Baby-verrückt ob zwei oder Vierbeiner. Einmal bei einem Bettwanzeneinsatz öffnete uns ein junger Papa die Türe, er hielt seinen Nachwuchs auf den Armen und du solltest die Zimmer absuchen. Mit allen Überredungskünsten brachte ich dich nicht dazu zu arbeiten. Erst als du an dem kleinen Bündel riechen durftest war es für dich ok und du führtest deinen Job aus.

Nach jeder Läufigkeit wurdest du Scheinschwanger, ich wusste immer wann die Welpen auf die Welt gekommen wären, du fingst an ein Nest zu bauen. Das war für mich das Zeichen, nun wäre es soweit. Und von dem Zeitpunkt an fing deine Milchleiste an zu hängen. Du warst sehr oft läufig, bis zu drei Mal im Jahr. Dies führte auch dazu, dass wir uns Gedanken machten über eine Kastration.

 

Immer wieder habe ich den Termin verschoben, Gini-Babys wären schon toll. Aber ich hatte keinen Mut. Wenn man richtig züchten will steckt wahnsinnig viel Wissen dahinter, das hatte ich nicht. Und was ist wenn ich keine geeigneten Welpenkäufer finde, was muss ich beim Rüden beachten und und und es waren so viele offene Fragen. Nach langem hin und her war ich soweit und für mich kam es nicht in Frage, dass du mal Welpen kriegst. 

Nach etlichen Absagen stand der Termin für die Kastration fest, der 24. Juli (Geburtstag von meinem Bruder). Schon zwei Mal habe ich den Eingriff verschoben. Auch diesmal war ich mir nicht sicher…….. 

Um 08:30h brachte ich dich zum Tierarzt, ich durfte dich in die Narkose begleiten. Um 16:52 Uhr drangen die Worte vom Tierarzt zu mir, «Gini schafft es nicht, wir müssen sie aufgeben.» Im Hintergrund hörte ich die Herztöne. Ganz geschockt sage ich nur noch «lasst sie gehen» und dann war der Ton weg. Ich konnte nur noch schreien und los heulen. "Neeeeiiin nicht meine Gini"

Was war passiert??

Der Tierarzt erzählt uns alles...... Der Bauchraum hatte sich mit Blut gefüllt. Immer wieder frage ich «woher kam das viele Blut?» «Das wissen wir nicht, wir haben mit Spritzen versucht das Blut aufzufangen und ihr wieder zu geben, doch das reichte nicht. Wir haben die Milz durchschnitten damit wir mit blossen Händen das Herz massieren konnten. Wir haben wirklich alles getan» Niemand kann mir sagen wieso – warum – weshalb?

Ein letztes Mal dürfen wir unsere Gini sehen und berühren. Das darf doch nicht wahr sein, sie war doch noch so jung. In 10 Tagen hätten wir wieder zusammen Geburtstag gefeiert. Innerhalb ein paar Stunden habe ich meine Freundin, Partnerin, mein zweites Ich, mein Seelenhund, mein Ein und Alles verloren.

 

Gini, du warst eine so tolle Lehrmeisterin, du hast mir & Kandro beigebracht in die Ruhe zu kommen. Weshalb bist du so Jung von uns gegangen? Bitte wache immer über uns, begleite uns und gib uns deine Ruhe & Stärke.